29.04.2021

Endlich gemeinsame pädiatrische und zahnärztliche Empfehlungen zur Kariesprävention mit Fluorid veröffentlicht!

Lang erwartet und seit dem Vormittag des 29.04. öffentlich präsentiert: Wie Kariesprävention mit Fluoriden erfolgen soll, wird ab sofort von allen Professionen, die Eltern kleiner Kinder in Deutschland präventiv beraten, auf wissenschaftlicher Basis einheitlich erfolgen!

Unterlagen der Pressekonferenz mit Fachgespräch sowie den Link zur wissenschaftlichen Erstveröffentlichung finden eilige Leserinnen und Leser hier: https://gesund-ins-leben.de/

Fluorid reduziert das Kariesrisiko wesentlich. Darin sind sich alle einig. Für das Säuglings- und frühe Kindesalter (0 bis 72 Monate) unterschieden sich jedoch bisher die Empfehlungen zur Fluoridanwendung der kinder- und zahnärztlichen Fachgesellschaften in der gemeinsamen S2k-Leitlinie von 2013. Während diese für die Gabe von Fluoridtabletten plädierten und die Zahnpflege mit fluoridierter Zahnpasta erst spät empfahlen, sprachen sich jene für die lokale Anwendung fluoridierter Zahnpasta ab dem ersten Milchzahn aus. Die Gruppenprophylaxe richtete sich nach der zahnärztlichen Linie. Diese widersprüchlichen Informationen verunsicherten aber die Eltern, reduzierten die Akzeptanz und entsprechend die Umsetzung. Auch den Akteurinnen und Akteuren der Gruppenprophylaxe erschwerten sie die Präventionsarbeit vor Ort.

Jetzt gibt es endlich professionsübergreifende, wissenschaftliche Empfehlungen zur Kariesprävention mit fluoridierter Zahnpasta im Säuglings- und frühen Kindesalter. Sie tragen der wissenschaftlichen Evidenz, der Praktikabilität der Anwendungen sowie den Bedürfnissen von Familien Rechnung.

Wesentliche Aspekte der Einigung sind:

  • Alle Professionen empfehlen ab sofort das Zähneputzen bis zu zweimal täglich ab dem Durchbruch des ersten Zahns! Wenn das Baby weiterhin eine Fluoridtablette bekommt, werden die Zähne entweder mit fluoridfreier Zahnpasta oder mit der angefeuchteten Zahnbürste geputzt. Wird keine Tablette gegeben, sollen die Eltern dem Kind von Anfang an die Zähne mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta putzen, die 1000 ppm Fluorid enthält. Hier haben Eltern also eine Wahlmöglichkeit.
  • Von 12 bis unter 24 Monaten wird empfohlen: Zähneputzen zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge fluoridierter Zahnpasta (1000 ppm).
  • Von 2 bis 6 Jahren: Zähneputzen zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridierter Zahnpasta (1000 ppm).
  • Das dritte tägliche Zähneputzen in der Kita ab 2 Jahren erfolgt ebenfalls mit einer erbsengroßen Menge fluoridierter Zahnpasta (1000 ppm).

„Dass nun alle Professionen das Zähneputzen von Anfang an empfehlen und es klare Dosierungsvorgaben gibt, ist ein großer Gewinn für die Prävention der frühkindlichen Karies“, so Bettina Berg, Geschäftsführerin der DAJ. „Endlich gibt es auch klare Vorgaben für das dritte tägliche Zähneputzen in der Kita. Das stärkt die Gruppenprophylaxe und ist ein großer Gewinn im Bezug auf die gesundheitliche Chancengleichheit der Kinder.“

Langwieriger Prozess mit Happy End

Bereits seit 2017 wurde in einem vom Netzwerk Gesund ins Leben koordinierten und moderierten Prozess daran gearbeitet, gemeinsame Empfehlungen zu entwickeln. Beteiligt an dem Verfahren waren Vertreterinnen und Vertreter der relevanten Fachgesellschaften und –gruppen. Mit den erarbeiteten Empfehlungen ist jetzt ein von allen getragener Kompromiss erzielt worden, auf dessen Basis nun in Kürze auch die inzwischen nicht mehr gültige Leitlinie überarbeitet werden soll.  Ein Meilenstein für alle Mitwirkenden!

Für die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) war die Geschäftsführerin Bettina Berg an dem Prozess beteiligt. In der Pressekonferenz zur Veröffentlichung der gemeinsamen Empfehlungen, am 29. April 2021, erläuterte sie das Potenzial der Gruppenprophylaxe in diesem Zusammenhang: „Wir haben drei gut eingespielte Ansätze in der Gruppenprophylaxe, die einheitlichen Empfehlungen flächendeckend weiterzugeben: durch die Gruppenprophylaxe-Impulse bei den Kita-Kindern selbst, mit denen wir 78 % aller Kitakinder jährlich mindestens einmal erreichen und darüber auch Informationen in die Elternhäuser geben; durch die gezielte flächendeckende Zusammenarbeit mit den Eltern unter Dreijähriger sowie durch die Zusammenarbeit mit den Kita-Leitungen, um mundgesundheitsförderliche Strukturen - insbesondere das tägliche Zähneputzen - zu etablieren.“

Veröffentlichung und Informationsmaterial

Das Netzwerk Gesund ins Leben veröffentlicht nun nach und nach weitere Informationsmaterialien für Eltern, die kostenlos zu bestellen sind und von den Akteurinnen und Akteuren der Gruppeprophylaxe genutzt werden können.

Eine digitale Pressemappe finden Sie hier.

Die Erstveröffentlichung der gemeinsamen Empfehlungen erfolgt in der Monatsschrift Kinderheilkunde. Hier können Sie den Artikel herunterladen oder bestellen.

Die gesammelten Unterlagen zu Pressekonferenz und Fachgespräch sowie einen Video-Mitschnitt finden Sie hier.


 

 

 

 

C. Liepe, © BLE

BLE 2021/www.gesund-ins-leben.de