18.04.2019

Neue Kinderschutzleitlinie: Auch die Zahnmedizin ist gefragt!

Zusammenfassung des Artikels "Zum Kapitel Zahnärztliche Untersuchung der Kinderschutzleitlinie" von Dr. Michael Schäfer und Dr. Silke Riemer:

Im Februar 2019 hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) die S3+ Leitlinie Kindesmisshandlung, -missbrauch, -vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik (Kinderschutzleitlinie) publiziert. In die Leitlinien-Erstellung waren, koordiniert durch die Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin, über 80 Fachgesellschaften eingebunden, darunter auch mehrere zahnmedizinische.  Die Leitlinie enthält ein Kapitel „Zahnärztliche Untersuchung“ und definiert Aufgaben für Zahnärzte im Kinderschutz.

Zahnärztlich ausgebildete Personen haben demnach im Kinderschutz zwei Aufgaben:

1. Anzeichen von (dentaler) Vernachlässigung und anderen Formen der Misshandlung zu erkennen, wenn Kinder ihre Praxis besuchen, sowie

2. die Untersuchung der Mundgesundheit von Kindern mit Verdacht auf Kindesmisshandlung, -missbrauch und/oder -vernachlässigung im Rahmen des diagnostischen Prozesses (z.B. nach Überweisung durch andere Ärzte) durchzuführen.

Im Kapitel Zahnärztliche Untersuchung der Leitlinie werden auf der Grundlage von fünf ausgewählten Fachartikeln zwei evidenzbasierte Handlungsempfehlungen, ein Statement und zwei klinische Konsensuspunkte (KKP) herausgearbeitet. Daneben beinhaltet das Kapitel Definitionen der dentalen Vernachlässigung und der Mundgesundheit.

Auch in den anderen Kapiteln der Leitlinie finden sich weitere interessante Aussagen, zum Beispiel über die Expertise von Zahnärzten im Vergleich zu Ärzten in Bezug auf dentale Vernachlässigung sowie über das Verhältnis von Meldungen mit Verdacht auf dentale Vernachlässigung und den der Jugendhilfe bereits bekannten Fällen von Kindeswohlgefährdung.

Für alle beteiligten Fachdisziplinen bietet der Anhang eine einheitliche schematische Übersicht zum Vorgehen bei Bekanntwerden von gewichtigen Anhaltspunkten für Kindeswohlgefährdung, die medizinischem Personal immer zugänglich sein sollte.

Den kompletten Artikel "Zum Kapitel Zahnärztliche Untersuchung der Kinderschutzleitlinie" von Dr. Michael Schäfer und Dr. Silke Riemer, der in der Zeitschrift Zahnärztlicher Gesundheitsdienst (1.2019) erschienen ist, finden Sie hier.

Die DAJ dankt beiden für die Genehmigung der Veröffentlichung.

Weitere Links und vertiefende Informationen:

Die Leitlinie selbst können Sie hier herunterladen: www.kinderschutzleitlinie.de

Die Universitätsklinik Ulm bietet auf ihrer Homepage einen Online-Kurs "Kinderschutz in der Medizin - ein Grundkurs für alle Gesundheitsberufe":
www.grundkurs.elearning-kinderschutz.de

Die Zeitschrift zm widmet dem Thema in ihrer Ausgabe Nr. 8/2019 einen Schwerpunkt mit mehreren Artikeln, die u.a. das konkrete Vorgehen im Verdachtsfalle beschreiben und die Handlungsempfehlungen erläutern:

www.zm-online.de/archiv/2019/8/titel/verzahnung-fuer-den-kinderschutz

www.zm-online.de/archiv/2019/8/titel/eine-wichtige-unterstuetzung-im-praxisalltag

www.zm-online.de/archiv/2019/8/titel/unsere-empfehlungen-fuer-die-praxis

Die medizinische Kinderschutzhotline bietet eine rund um die Uhr erreichbare Anlaufstelle für Angehörige der Heilberufe bei Verdacht auf Kindesmisshandlung: www.kinderschutzhotline.de

Tel. 0800 19210 00